Marderkaninchen


Als Marderkaninchen werden zwei eng miteinander verwandte, bezüglich ihrer Fellfarbe genetisch gleiche Kaninchenrasse bezeichnet, die Großmarder (Gewicht 4 -5 kg) und die Marderkaninchen (manchmal auch Kleinmarder) mit einem Gewicht von 2,50 - 3,25 kg.

Das Marderkaninchen entstand, wie andere Kaninchenrassen auch, mehrmals an verschiedenen Stellen, immer jedoch unter Beteiligung von Chinchillakaninchen, was unter Berücksichtigung seiner Genetik auch naheliegend ist.

In Deutschland wurden Marderkaninchen von Emil Thomsen in Hamburg-Stellingen durch Zufall erhalten. Das Ziel von Thomsen war eigentlich, ein Opossum-Kaninchen zu züchten. Er paarte dazu Blaue Wiener, Hasenkaninchen, Havanna, Thüringer und weiße Angorakaninchen miteinander. Auf Anraten von Joppich kreuzte er Kleinchinchilla ein und erhielt bronzefarbene Jungtiere, die sich später zur beschriebenen Marderfarbe umfärbten. Thomsen gab einen Rammler an Hans Nachtsheim weiter, der die genetische Stellung dieser Rasse aufklärte. Ein weiterer Rammler gelangte auf Umwegen und ohne Wissen Thomsens zu Ziemer nach Arnstadt, mit diesem Tier bauten weitere Züchter Bestände von Marderkaninchen auf. Nach Thomsens Tod übernahm Joppich seinen Tierbestand und entwickelte die Rasse weiter. Die neue Rasse wurde 1924 erstmals in Hamburg-Altona gezeigt.

Der Name Marderkaninchen wurde in Anlehnung an die Farbe der Edelmarder und Steinmarder gewählt, neben denen sie auch auf der ersten Ausstellung für Edelpelztiere 1928 in Berlin gezeigt wurden. Unklar bleibt in der Literatur, wie es zur Kombination mit dem Russenfaktor kam.

Die Großmarder wurden in der Tschechoslowakei entwickelt. Nach Fingerland kreuzte Martin Vrana aus Zborovice in Mähren etwa 1976/77 Marderkaninchen mit Kaliforniern, um ein großes Marderkaninchen zu züchten. Entsprechende Tiere mit der Färbung des Marderkaninchens und der Statur des Kaliforniers wurden bereits in der dritten Generation erhalten. 1980 wurden die Tiere erstmals in Děčín ausgestellt und 1981 als Rasse durch den tschechischen Züchterverband anerkannt. Mit den Bewertungsbestimmungen für Rassekaninchen in sozialistischen Ländern wurden die Großmarder auch in der DDR als Rasse zugelassen. In der DDR war die Rasse bis dahin nicht bekannt, allerdings kam es nach Franke auf Initiative von Joachim Kapp, dem Obmann des Marder-Clubs (damals Spezialzuchtgemeinschaft) zur Erarbeitung entsprechender Zuchtprogramme. Da es kaum eine Möglichkeit zum Import von Tieren gab, wurden eigene Zuchtversuche mit Marderkaninchen und Weißen Neuseeländern angestellt, die bis 1988 zur Herauszüchtung von Großmardern führten. 1990 wurden Großmarder auch in den deutschen Einheitsstandard übernommen. Nach Franke wurden große Marderkaninchen bereits seit 1931 als „Sowjetische Marder“ in der damaligen Sowjetunion im dunklen (homozygoten) Farbenschlag gezüchtet.