Rhönschaf


Besonderheiten der Rasse "Rhönschaf"

Das Rhönschaf ist eine der ältesten Nutztierrassen Deutschlands. Die erste namentliche Erwähnung erfolgte 1844. In den Akten des Fuldaer Hochstiftes heißt es: "Das gewöhnliche Schaf des Rhönlandwirtes ist ein gemeines teutsches Schaf in einer eigenthümlichen Art, welches selbst im Ausland unter dem Namen 'Rhönschaf' gekannt wird. Es ist gelb-weiß mit einem schwarzen Kopf ohne Hörner, trägt eine grobe, wenig gekräuselte, wenig elastische Wolle, ist von großem Körperbau, starkknochig und von großer Mastfähigkeit" (MEISS, 1927).

Nach der ältesten Abbildung von 1873 entspricht das Rhönschaf schon dem heutigen Typ, obwohl mehrfach versuchte wurde, englische Cotswold- oder Oxfordshire- sowie Merino-Böcke einzukreuzen. Es ist auch heute noch ein mittelgroßes bis großes Schaf, hochbeinig und hornlos. Es ist die einzige Rasse mit weißen Beinen und schwarzhaarigem, bis hinter die Ohren unbewolltem Kopf.

Es gilt jedoch als sicher, daß das Rhönschaf schon wesentlich früher - vermutlich seit dem 16. Jahrhundert - in ähnlicher Form bestand. Aus dieser Zeit (1548) stammt auch die älteste gefundene Schäfereiordnung der Rhön, die der Stadt Tann. Und die frühesten Unterlagen über Schafe in der Region Fulda datieren aus dem Jahr 1585 (MEISS, 1927). Rassen im heutigen Sinne bestanden zu dieser Zeit jedoch noch nicht. Die Tiere waren noch sehr uneinheitlich, zeigten alle Farbschattierungen von weiß, braun, schwarz und gefleckt, waren breit- oder schmalköpfig, gehörnt oder ungehörnt mit feiner oder grober Wolle.

Berühmt wurden die Schafe der Rhön als Kaiser Napoleon - am 10. Oktober 1813 durch ein Gefecht bei seinem Rückzug in der Rhön aufgehalten - von ihrem Fleisch zu essen bekam. Er veranlaßte den Import von Schlachttieren durch Wanderherden von der Rhön bis nach Paris. Die Schafe aus der Rhön bekamen den wohlklingenden Markennamen "mouton de la reine", was soviel wie "königliches Schaf" bedeuten und die hohe Qualität des Fleisches dokumentieren sollte. Von Personen, die der französischen Sprache jedoch nicht so mächtig waren, wurde dies als "Schaf aus der Rhön", also Rhönschaf, übersetzt (KRUG, 1990).

Mitte des letzten Jahrhunderts, als Schafe aus der Rhön bis nach Frankreich und England exportiert wurden, kamen die Rhönschafe von Thüringen bis zum Harz und im Quellgebiet der Werra vor und waren später sogar in nahezu allen Gegenden des damaligen Deutschen Reiches bis nach Ostpreußen vertreten. Hunderttausende von Rhönschafen soll es zu dieser Zeit gegeben haben.

Während zu Ende des 19. Jahrhunderts die Rasse noch einige hunderttausend Tiere umfaßte, erreichten um 1960 die Bestände mit nur noch 300 eingetragenen Herdbuchtieren in den alten Bundesländern ihren Tiefpunkt. Anfang der 60er Jahre setzte jedoch eine Aufwärtstendenz ein.